Hinweise auf den aktuellen Vortrag

 

Informationen zu der Veranstaltung im September 2017

 

 

VA-Nr.:
08/2017
Thema:

Sprachenvielfalt und Globalesisch

Referent:
Prof. Dr. Jürgen Trabant, Berlin
Datum:
Donnerstag, den 21.09.2017, 20.00 Uhr
Ort:
Hochschule Bremerhaven, An der Karlstadt 8, Haus S, Raum S 207

 

 

 

 

 

 

Zum Vortrag

 

Kernthesen

 

Sprachenvielfalt und Globalesisch

 
Europa ist ein Kontinent vieler Sprachen. Zwar schützt und fördert die Europäische Union offiziell die Vielfalt ihrer Sprachen. Unleugbar aber ist Sprachenvielfalt auch ein massives Kommunikationshindernis. Daher gibt es gleichzeitig eine starke Bewegung für die Verbreitung des globalen Englisch (Globalesisch) als gemeinsamer Sprache Europas. Die nationalen Schulpolitiken, die Wirtschaft, die Wissenschaft, neuerdings auch die Politik, bestimmte Medien und Sozialwissenschaft und Sozialphilosophie propagieren die Verallgemeinerung des Globalesischen in Europa und der Welt. Diese bewirkt unweigerlich die Rücknahme einer der größten Errungenschaften der europäischen Kultur, nämlich des Aufstiegs der Volkssprachen in "höhere" Diskursfelder. Die Sozialwissenschaft agitiert unter dem positiv konnotierten Ausdruck "Mehrsprachigkeit" für die Verbreitung des Globalesischen. Die Beseitigung der Kommunikationshindernisse, der Sprachen Europas, verspricht des weiteren sprachliche (und damit soziale) Gerechtigkeit. Aber die Argumente für "Mehrsprachigkeit" und sprachliche Gerechtigkeit unterschätzen die damit einhergehenden Verluste, weil sie auf einer reduktionistischen Auffassung von Sprache basieren. Auf der Basis eines reicheren Sprachbegriffs, wie er von Wilhelm von Humboldt entwickelt worden ist ("das bildende Organ des Gedankens", "Weltansicht"), plädiert der Vortrag für den Erhalt und die Beförderung der Sprachenvielfalt. Die Spannung zwischen dem kognitiv-semantischen Wert der einzelnen Sprachen und dem Bedürfnis globaler Kommunikation ist auszuhalten und in einer Mehrsprachigkeit, die ihren Namen wirklich verdient, zu lösen.

 
 

Literaturliste

 
Bücher (Auswahl):

 

Apeliotes oder Der Sinn der Sprache. Wilhelm von Humboldts Sprach-Bild. 1986.
Traditionen Humboldts. 1990.
Neue Wissenschaft von alten Zeichen: Vicos Sematologie. 1994.
Artikulationen. Historische Anthropologie der Sprache 1998.
Der Gallische Herkules. Über Sprache und Politik in Frankreich und Deutschland. 2002.
Mithridates im Paradies. Kleine Geschichte des Sprachdenkens. 2003.
Was ist Sprache? 2008.
Die Sprache. 2009.
Weltansichten. 2012.
Globalesisch oder was? 2014

 

Zur Person

 

Jürgen Trabant

 

Geboren 1942. 1980-2008 Professor für Romanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2008-2013 Professor für Europäische Mehrsprachigkeit an der Jacobs University Bremen. Seit 2010 Mitglied der Kollegforschergruppe "Bildakt und Verkörperung", seit 2014 Mitglied der von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschergruppe "Symbolische Artikulation" an der Humboldt-Universität.
Forschungsstipendien: Akademie-Stipendium der Volkswagen-Stiftung, Fellow Collegium Budapest und Historisches Kolleg München.
Gastprofessuren in Stanford, Leipzig, UC Davis, EHESS Paris, Limoges, Bologna, Brasília, Mailand, Shanghai.
Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Accademia di Scienze Morali e Politiche di Napoli und der Accademia delle Scienze di Torino.
Officier de l'ordre national du mérite (1998). Chevalier dans l'ordre des Arts et des Lettres (2004). Commendatore nell'ordine al merito della Repubblica Italiana (2010).
Forschungsinteressen: Sprachphilosophie, Geschichte des europäischen Sprachdenkens, Semiotik, Vico, Humboldt, historische Anthropologie der Sprache, europäische Sprachpolitik, Bild und Sprache.